Die große Kunst der Vermittlung von schwierigeren Hunden am Beispiel Kangal - ein Buch mit sieben Siegeln


Dass es mittlerweile viel zu viele Kangals gibt, sollte sich auch in HSH-unerfahrenen Kreisen rumgesprochen haben. Ich werde Tag für Tag mit neuen Kangals (oder -Mixen) konfrontiert. Die Frage woher und wieso stelle ich mir nicht mehr. Ich werde aber nicht müde zu versuchen für Aufklärung und Bewusstsein zu sorgen - da bin ich sehr hartnäckig ☝️!

Die Vermittlung von Kangals ist unfassbar schwierig, zum einen, weil es eben KEINE Hunde für jederman sind und zum anderen, weil die Leute scheinbar übersättigt sind. An was sollen denn die wenigen Menschen, die in der Lage sind einen Kangal zu halten, die Auswahl ausmachen? Optisch sind sie sich alle irgendwie erschreckend ähnlich. Charakterlich gibt es Unterschiede. Schwierig bleiben sie für viele Menschen dennoch.
Derzeit betreue ich 3 Kangals. Es sind tolle Hunde, aber die Auswahl geeigneter Plätze, wenn sich denn überhaupt mal jemand meldet, ist schwierig. Kommentare wie "Herdies sind Familienhunde", "Der ist doch ganz lieb", "Ihr übertreibt" oder aber auch "Die ist nicht groß/kräftig genug",... sind wir im Tierschutz gewohnt, weiterhelfen tun sie leider nicht. 
Exkurs zum Thema schwarzmalerische Vermittlungstexte: Natürlich könnte man schreiben "Unser süßes, liebes Bärchen sucht...", die Vermittlung wäre dadurch auch viel einfacher, es wäre aber in den meisten Fällen schlichtweg nicht zutreffend. Die Vermittlung scheitert, der Hund wird zum Wanderpokal,... 
Ich sage nicht, daß es keine familiengeeigneten Herdenschutzhunde gibt, wenn nun aber in einer Beschreibung steht "Nicht zu Kindern" o.Ä. wäre es schön, wenn man dies einfach mal so akzeptiert.

Diese Woche haben Junus und Lana gemeinsam einen tollen Spaziergang mit Lana's Paten gemacht. Patenschaften im Tierschutz sind gerade bei großen Hunden und Langzeitinsassen eine super Sache. 
Und mir geht das Herz auf, wenn es so engagierte Paten sind ❤️. Es gibt nämlich tatsächlich Leute, die sich mit viel Verstand und einem offenen Ohr für Tipps von Profis, vom Hunde-Neuling zum Kangal-Kenner mausern. 





                   

 

Vergessene Felle - Die Arbeit mit ganz besonderen Hunden im Tierschutz


Chancenlos, aussichtlos, abgeschoben... Sie sind anders, verhaltensauffällig, schwierig, oftmals auch potenziell gefährlich. Felle, an die sich kaum einer ran traut - zurecht! Aufgrund ihrer Vergangenheit tragen sie schwere Koffer mit sich, quasi Übersee-Gepäck wo andere nur einen Trolley mitführen, vollgepackt mit ungünstigen Erfahrungen mit Mensch, "Experte" und Hund.

Nicht selten gehen diese Hunde im Tierheim-Alltag unter, können mangels Kapazitäten, manchmal auch mangels Kompetenzen nicht gefordert oder gefördert werden. Trainingseinheiten sind schwierig, langwierig und zeit-intensiv. Erhoffte Erfolge bleiben aus, es gibt Rückfälle oder sogar Unfälle.... ein stetiger Kraftakt. Trotzdem gibt es Menschen, die sich nicht abschrecken lassen, sich dafür entscheiden, FÜR die Arbeit mit diesen Sonderlingen - bewusst!

Oft geht es um mutmaßliche Kleinigkeiten (Selbstverständlichkeiten für die meisten Hunde im Tierschutz), wie dem Finden von passenden Gassi-Gehern, deren Coaching und Betreuung. Diese Extra-Kapazitäten machen eine (Re)Sozialisierung für Pfleger und Trainer möglich. Denn auch der Gassigeher arbeitet aktiv und gemeinsam mit uns.

Dank einem großartigen Team aus einer der weltbesten Pflegerinnen, die ich im Tierschutz kennenlernen durfte, einem motivierten Ehrenamtlichen und mit viel Kraft, Schweiß und Unermütlichkeit und einer kleinen organisatorischen Umstrukturierung machen wir so manchen Schattenhund zu einem Sonnenhund.


 

 



Verhaltens- bzw. Charaktereinschätzung bei Hunden

... ein sehr schwieriges Thema, denn irgendwie weiß es jeder besser. Als Hundebesitzer holt man sich im besten Fall Hilfe bei kompetenten Trainern, aber als Trainer oder Tierschutzverein?! Ich erlebe es häufig, daß einfach nicht um Rat oder Unterstützung gefragt wird, ob aus Scham oder weil man eben denkt, man weiß es besser, kann ich nicht beurteilen. Aber gerade für Trainer und Tierschutzvereine und -orga's ist das so essentiell wichtig! Denn es ist auch eben nicht jeder allwissend! Orgas's sollten meiner Meinung nach IMMER kompetente Trainer an der Seite haben. Und jeder Trainer hat Stärken und Schwächen. Wenn man eben kein Spezialist für gewisse Bereiche ist, dann verweist man weiter oder man fragt nach Unterstützung von jemandem, der in diesem Bereich kompetenter ist. 

 

Ich glaube das liegt daran, daß man als Anlaufstelle für "schwierige" Felle momentan regelrecht überrannt wird. Ich erhalte täglich Anfragen. Und das ist auch gut so ☝️, es gibt nur meiner Meinung nach einfach viel zu wenig solcher kompetenter Anlaufstellen....
Schätzt man den Hund falsch ein, kann das schlimme Folgen haben, im Worst Case Beißunfälle, Euthanasie,...
 
Mir begegnet gerade bei Herdenschutzhunden beides: "Wir sperren den Hund mal weg, denn es ist ein Herdie und die sind sowieso immer gefährlich" oder aber auch "Es ist zwar ein total verwahrloster Kangal, aber der ist ja ganz lieb und bestimmt auch dankbar". Beides verursacht mir böse Bauchschmerzen... 

 

Wie beurteilt man nun richtig und woran erkennt man Ansätze für bestimmtes Verhalten? Es gibt wirklich gute Bücher und Seminare (die ohne Verkaufsveranstaltung am Ende 😉),...und die können und SOLLEN Besitzer, Trainer oder auch Orga's gerne nutzen, aber der Knackpunkt ist und bleibt die Erfahrung. Man braucht einfach den gewissen Blick und das Gespür dafür und das kann man nicht auswendig lernen. Schön wär's - zack, alle geheilt! 

 

Man kann auch keine Ferndiagnose stellen und einen Plan nach Schema F gibt es leider ebenfalls nicht. 

 

Wichtig ist den Hund genau anzuschauen, wenn möglich selbst zu führen und alles miteinzubeziehen. Was man nicht sicher weiß, kann man vielleicht herleiten, am Beispiel verwahrloster Kangal: schlechter Pflegezustand = wahrscheinlich wenig Kontakt zum Menschen = wenig Erfahrung mit Menschen = "Alter, verpiss Dich, Du Opfer" 

Ah nee, der ist ja ganz lieb... Ich vergaß. Naja, hier gibt es dann eben noch die böse Herdie-Falle, denn die checken in der Regel erstmal alles ab, bevor sie sich "zeigen", sprich manchmal dauert es Tage, Wochen, Monate bis die Lage hinreichend ausgemacht ist und es möglicherweise zu ersten Konflikten kommt.

Ich würde mir hier mehr miteinander statt gegeneinander wünschen! 
Wenn mich jemand nach Canicross fragt, frage ich ja auch bei meinen lieben Kollegen nach und verweise an einen guten Canicross Trainer .

 

 

  Es ist Zeit. Es muß sich etwas ändern. Wir müssen etwas tun.
Miteinander statt gegeneinander.

 
 
 
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